Wenn morgens plötzlich eine Jacke nötig ist, mittags aber noch Sommertemperaturen herrschen, muss nicht gleich die komplette Garderobe wechseln. Oft reichen ein paar kleine Veränderungen, damit sich ein Sommeroutfit plötzlich genau richtig für die Übergangszeit anfühlt.
Von Heide – Personal Stylistin & Gründerin von STYLEFINDS
Auf den ersten Blick
- Viele Sommerteile lassen sich bis weit in den Herbst hinein tragen.
- Oft verändern schon Schuhe, Jacke oder Material die Wirkung eines kompletten Outfits.
- Layering funktioniert besonders gut, wenn jede einzelne Schicht auch für sich funktioniert.
- Helle Farben, Leinen oder leichte Kleider müssen mit dem Sommer nicht verschwinden.
- Bevor du für die neue Saison einkaufst, lohnt sich ein Blick darauf, was sich mit deiner vorhandenen Garderobe neu kombinieren lässt.
Ende August und Anfang September ist modisch eine ziemlich interessante Zeit. In den Geschäften hängen bereits Strick, Jacken und erste Herbstkollektionen, während es draußen oft noch viel zu warm dafür ist.
Auch beim Personal Shopping erlebe ich immer wieder, dass genau dieser Moment etwas verunsichert: Sind Sandalen jetzt noch okay? Kann ich die weiße Hose noch tragen? Und gehört das Sommerkleid eigentlich schon nach hinten in den Schrank?
Für mich lautet die Antwort meistens: noch lange nicht.
Denn ein Outfit wird nicht allein durch ein bestimmtes Kleidungsstück sommerlich oder herbstlich. Entscheidend ist vielmehr die Kombination.
Und genau das macht die Übergangszeit auch stilistisch so spannend.
- Nicht die Jahreszeit wechseln – sondern einzelne Elemente
Wir denken bei Kleidung häufig sehr saisonal: Im Sommer tragen wir Sommerkleidung, im Herbst Herbstkleidung.
In der Praxis funktioniert ein fließender Übergang meistens besser.
Ein Tanktop kann beispielsweise weiterhin die Basis eines Looks sein. Statt Shorts und Sandalen kombinierst du dazu eine lange Stoffhose, Loafer und eine leichte Jacke.
Die weiße Jeans bleibt – aber das luftige Top wird gegen einen leichten Strickpullover getauscht.
Und auch ein Sommerkleid kann mit einem geschlosseneren Schuh, einer Leder-, Jeansjacke oder einem Blouson oder auch nur einer Tasche mit etwas klarerem Schnitt oder festerer Struktur (z.B. eine etwas strukturiertere Henkel-, oder Schultertasche anstelle einer sommerlichen Bastmodells) plötzlich ganz anders wirken.
Du musst also nicht das komplette Outfit verändern. Oft reicht ein neuer Baustein.
Das ist grundsätzlich eines meiner liebsten Stylingprinzipien: Schau nicht nur auf einzelne Kleidungsstücke, sondern darauf, welche Funktion sie innerhalb des gesamten Looks übernehmen.
- Schuhe sind oft der einfachste Saisonwechsel
Kaum etwas verändert die Wirkung eines Outfits so schnell wie die Schuhe.
Ein Midirock mit Sandalen wirkt sofort sommerlich. Mit Loafern, Ballerinas oder einem etwas kräftigeren Sneaker bekommt derselbe Rock eine völlig andere Richtung.
Das funktioniert genauso bei Kleidern, weiten Stoffhosen oder Jeans.
Dabei gibt es übrigens keinen festen Termin, ab dem Sandalen plötzlich „nicht mehr gehen“. Wenn es draußen warm ist und sie zum Outfit passen, dürfen sie selbstverständlich bleiben.
Interessanter wird es vielmehr, unterschiedliche saisonale Elemente miteinander zu kombinieren: eine lange Hose zum offenen Schuh, ein leichter Strick zu Sandalen oder ein Sommerkleid mit Loafern.
Gerade diese kleinen Gegensätze machen einen Look oft moderner und persönlicher: Welche Schuhe passen zu welcher Hose?
- Layering – aber nicht um jeden Preis
Die Übergangszeit ist natürlich perfekt für Layering.
Dabei bedeutet Layering für mich aber nicht, möglichst viele Schichten übereinanderzuziehen.
Ein gutes Layering-Outfit funktioniert dann besonders gut, wenn die einzelnen Teile miteinander zusammenspielen und möglichst auch einzeln funktionieren.
Ein schlichtes Tanktop unter einer offenen Hemdbluse ist dafür ein gutes Beispiel. Morgens funktioniert beides zusammen, später am Tag kann die Bluse einfach ausgezogen werden.
Ähnlich unkompliziert sind z.B.:
T-Shirt + Cardigan
Kleid + Blouson
Bluse + leichter Strick
Gerade offene Hemdblusen mag ich in dieser Zeit sehr gerne. Sie bringen eine zusätzliche Ebene ins Outfit, ohne gleich wie eine klassische Jacke zu wirken.
Und ein kleines bisschen Styling macht oft zusätzlich einen Unterschied: Ärmel etwas hochschieben, die Bluse vorne oder seitlich leicht einstecken oder den Strick locker über die Schultern legen. Cool und ganz aktuell wirkt z.B. ein (noch) leichtes Flanellhemd, das man jederzeit lässig um die Hüfte tragen kann, sollte es im Laufe des Tages zu warm werden.
So entsteht Struktur, ohne dass ein Outfit konstruiert aussieht.
- Unterschiedliche Materialien bringen Spannung
Die Übergangszeit bietet eine Kombination, die ich ohnehin sehr mag: leichte Sommermaterialien treffen auf etwas festere oder strukturiertere Materialien.
Eine fließende Hose zu einem Strickteil.
Ein zarter Rock zu Leder.
Leinen zu einem Loafer aus Veloursleder.
Ein leichtes Kleid zu Denim.
Gerade solche Materialkontraste sorgen dafür, dass ein Outfit interessant wird, ohne dass dafür besondere Muster, knallige Farben oder auffällige Accessoires nötig sind.
Das ist auch eine gute Möglichkeit, einen sehr reduzierten Stil spannender zu machen.
Ein Outfit aus Creme, Beige oder Schwarz kann – sogar monochrom getragen – über unterschiedliche Oberflächen und Materialien genauso viel Tiefe bekommen wie ein farbiger Look.
- Auch helle Farben dürfen mit in den Herbst
Mit den ersten Herbstkollektionen kommen meistens automatisch Braun, Bordeaux, Dunkelgrün und Schwarz zurück in die Geschäfte.
Schöne Farben – aber kein Grund, Weiß, Creme, Hellblau oder andere helle Sommertöne auszusortieren.
Gerade helle Farben wirken im Herbst oft besonders modern.
Eine weiße Jeans zu einem grauen oder dunkelblauen Strick.
Eine cremefarbene Hose mit schwarzem Top und Loafern.
Ein hellblaues Hemd unter einem dunkelbraunen Blouson.
Oder ein komplett heller Look, der nur durch Schuhe, Gürtel oder Tasche (bei den Accessoires kannst du dann auch prima einen starken Farbkontrast wie Schwarz/ Dunkelbraun/Grau o.Ä. wählen) etwas mehr Tiefe bekommt.
Auch hier gilt: Nicht eine einzelne Farbe entscheidet über die Jahreszeit, sondern der gesamte Look.
- Sommerkleider müssen noch lange nicht verschwinden
Gerade bei Kleidern lohnt sich ein zweiter Blick.
Ein Kleid, das im Hochsommer mit Sandalen und Korbtasche funktioniert, kann mit anderen Begleitern plötzlich sehr viel weniger sommerlich wirken.
Je nach Kleid können das zum Beispiel sein:
- Loafer oder Ballerinas
- Sneaker
- später Boots
- Lederjacke
- Blouson
- Jeansjacke
- Cardigan oder Strick
- ein Longsleeve oder dünner Rolli unter einem ärmellosen Kleid
Besonders spannend finde ich dabei den Kontrast zwischen einem femininen oder fließenden Kleid und einem etwas sportlicheren oder robusteren Element.
Es muss also nicht automatisch der klassische Blazer über dem Kleid sein.
Ein unerwartetes Element bringt häufig genau die Spannung in einen Look, die ihn persönlicher und individueller macht: Welche Jacke passt zu welchem Outfit?
- Und was ist mit Leinen?
Auch Leinen muss nicht mit dem August verschwinden.
Natürlich gibt es sehr leichte, eindeutig sommerliche Leinenkleidung. Eine gut geschnittene Leinenhose in Creme, Dunkelblau, Braun oder Schwarz lässt sich aber oft noch erstaunlich lange tragen.
Statt mit Tanktop und Sandalen beispielsweise mit T-Shirt, Strick und Loafern.
Hier ist wieder der Materialmix entscheidend: Das sommerliche Leinen bekommt durch Strick, Leder oder einen geschlossenen Schuh einen etwas anderen Rahmen.
Ich würde deshalb weniger danach fragen: „Ist Leinen im Herbst erlaubt?“
Sondern eher: „Fühlt sich diese Kombination bei der aktuellen Temperatur und für meinen Stil richtig an?“
Das ist ohnehin die deutlich hilfreichere Frage.
- Bevor du Herbstkleidung kaufst: einmal neu kombinieren
Natürlich kann eine neue Saison Lust auf neue Kleidung machen. Und manchmal fehlt tatsächlich genau das eine Teil, das plötzlich viele neue Kombinationen möglich macht.
Bevor du einkaufen gehst, würde ich trotzdem erst einmal mit deiner vorhandenen Garderobe experimentieren.
Nimm zum Beispiel fünf Lieblingsteile aus dem Sommer und überlege:
Was passiert, wenn ich nur den Schuh austausche?
Welche Jacke oder welcher Strick funktioniert dazu?
Kann ich ein weiteres Teil darüber oder darunter layern?
Welche Tasche oder welcher Gürtel verändert die Wirkung?
Gibt es eine ungewöhnlichere Kombination, die ich bisher einfach noch nicht ausprobiert habe?
Oft zeigt sich dabei ziemlich schnell, was tatsächlich fehlt.
Vielleicht ist es gar keine neue Hose, sondern ein guter Loafer.
Kein weiteres Kleid, sondern eine Jacke, die sowohl zu Kleidern als auch zu Jeans funktioniert.
Oder ein leichter Strick, der viele Sommerteile verlängert.
Genau deshalb finde ich es sinnvoller, einen Kleiderschrank in Kombinationen statt in einzelnen Teilen zu betrachten.
Übergangsoutfits dürfen ein bisschen uneindeutig sein
Vielleicht ist genau das das Schöne an dieser Zeit.
Leinen trifft auf Strick. Sandalen auf lange Hosen. Ein Sommerkleid auf Leder. Ein Tanktop verschwindet morgens unter einer Hemdbluse und kommt mittags wieder zum Vorschein.
Ein gutes Übergangsoutfit muss für mich nicht eindeutig nach Sommer oder Herbst aussehen.
Im Gegenteil.
Oft entstehen gerade dann die interessantesten Looks, wenn unterschiedliche Jahreszeiten, Materialien und Stilrichtungen ganz selbstverständlich zusammenkommen.
Und bevor die Sommergarderobe komplett nach hinten in den Schrank wandert, lohnt es sich deshalb, ihr noch einmal ein bisschen neue Gesellschaft zu geben.
Du möchtest deine Garderobe neu kombinieren?
Bei einer Stilberatung, einem Kleiderschrankcheck oder beim Personal Shopping in München schauen wir gemeinsam, welche Schnitte, Kombinationen und Stylingideen zu dir und deinem Alltag passen – und welche Ergänzungen in deinem Kleiderschrank wirklich Sinn machen.
